Verlaufsfomen einer Depression

Auch wenn Depression weitverbreitet ist, gibt es doch verschiedene Typen von Depression, die unterschiedliche Verläufe haben kann. Anzeichen und Symptome variieren in ihrer Anzahl, dem zeitlichen Verlauf, dem Schweregrad und ihrem Andauern, aber alles in allem sind sie sich sehr ähnlich. Da verschiedene Formen der Depression unterschiedlicher Behandlungsmethoden bedürfen, versuchen Ärzte und Psychotherapeuten herauszufinden, von welchen dieser Formen der Patient betroffen ist. Außerdem gibt es auch alters-, geschlechts- und kulturspezifische Unterschiede in der Art und Weise, wie Betroffene eine Depression erleben und wie die Symptome zum Ausdruck kommen.

Es werden eine Menge Begriffe genutzt, um verschiedene Formen der Depression zu beschreiben. Neurotische, reaktive oder minor Depression sind die, in der klinischen Psychologie üblichen Begriffe und werden daher auch meist psychotherapeutisch behandelt. Auf der anderen Seite werden die somatische Depression und die psychotische Depression auf ein chemisches Ungleichgewicht zurückgeführt und medikamentös behandelt. Dies sind die Begriffe die von den meisten Ärzten, Psychiatern und Psychotherapeuten genutzt werden.

Empirische Forschungsarbeiten haben gezeigt, dass Depression ein Stimmungs- bzw. eine affektive Störung, die in Phasen auftritt. Das bedeutet, dass sich Perioden mit normaler Stimmung mit depressiven Episoden abwechseln. Manchmal kann an Stelle einer depressiven Episode auch eine Phase der Stimmungseuphorie (sehr gute Stimmung), Irritierbarkeit und Agitation folgen, die man Manie oder Hypomanie nennt. Daher unterscheidet man zwischen einer unipolaren Depression, die vorliegt, wenn es keine Phasen der Manie oder Hypomanie in der Krankengeschichte gibt, und einer bipolaren Depression, wenn solche Phasen in der Vergangenheit aufgetreten sind.

1. Depressive Episode

Die häufigste Form der Depression ist die depressive Episode. Eine einzelne depressive Episode kann über Wochen bis hin zu Jahren andauern, aber mindestens 2 Wochen. Sie weist eine Kombination aus verschiedenen Symptomen auf. Grob geschätzt erleben ein Drittel aller betroffenen Personen nur eine einzige Episode oder Phase in ihrem Leben. Depressive Episoden können sich mehr oder weniger einschränkend auswirken. In den meisten Fällen wird es in der Zukunft zu erneuten, depressiven Episoden kommen. Die einzelne depressive Episode wird als unipolar bezeichnet.

 

2. Wiederkehrende depressive Erkrankung

Wenn eine erneute depressive Episode auftritt, spricht man von einer wiederkehrenden, rezidivierenden  oder majoren depressiven Erkrankung, die in meistens in der Pubertät oder dem frühen Erwachsenenalter beginnt. Menschen mit dieser Form der wiederauftretenden Depression erleben mehrere depressive Phasen, die Monate bis hin zu Wochen andauern können, unterbrochen von Phasen mit normaler Stimmung. Diese Form der Depression ist stark einschränkend und unipolarer Natur (d.h. es gibt keine Phasen der Manie oder Hypomanie). Für gewöhnlich bezeichnet man dies auch als „klassische“ oder „klinische“ Depression.

3. Dysthymie

Eine Dysthymie ist charakterisiert durch leichtere und weniger abgrenzbare Symptome als bei einer depressiven Episode oder einer wiederkehrenden Depression. Allerdings ist es eine hartnäckige Erkrankung, mit Symptomen die mindestens 2 Jahre, bis hin zu Jahrzehnten anhalten, weswegen sie auch chronische Depression genannt wird. Die Störung ist unipolar und beeinträchtigt die allgemeine Funktionsfähigkeit, aber in einer weniger stark einschränkenden Art und Weise. Bei manchen Menschen, die an dieser Form der Depression erkrankt sind, kann sich der Zustand weiter verschlechtern, so dass sie eine majore Depression ausbilden. Wenn beide Diagnosen vorliegen, spricht man von einer dualen Depression.

4 . Bipolare Depression Typ 1

Diese Form der Depression tritt durch eine bipolare Störung zu Tage und wurde früher auch manisch-depressive Störung genannt. Sie ist weniger weit verbreitet als die unipolare Depression. Ein Wechsel zwischen depressiven Phasen, Phasen normaler Stimmung und den so genannten “manischen Phasen”, charakterisiert diese Depressionform. Manische Phasen sind gekennzeichnet durch übermäßig gute Stimmung in Verbindung mit Hyperaktivität, Ruhelosigkeit und einem reduzierten Schlafbedürfnis. 

Die Manie beeinflusst das Denken, Urteilen und das Sozialverhalten und verursacht ernsthafte Probleme und Schwierigkeiten.Betroffene vollziehen in der manischen Phase unter Umständen willkürliche und unsichere sexuelle Handlungen oder unüberlegte Geschäfts- und Finanzentscheidungen. Nachfolgend auf eine manische Phase erleben die meisten Betroffenen eine Depression.

Am besten lässt sich dieses Wechselbad der Gefühle mit dem Ausspruch: „Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt.“ beschreiben.

Die Symptome der depressiven Phase innerhalb einer bipolaren Erkrankung sind manchmal nur schwer von denen einer unipolaren Depression zu unterscheiden.

5. Bipolare Depression Typ 2     

Die Symptome einer Bipolaren Depression des Typs 2 ähneln eher denen einer wiederkehrenden Depression. Menschen, die an diesem Typ 2 erkrankt sind, scheinen auf den ersten Blick an einer Depression mit ausschließlich depressiven Phasen zu leiden. Tatsächlich aber erleben die Betroffenen wiederholte depressive Episoden, die punktuell durch Hypomanien unterbrochen sind, einem moderaten, euphorischen Zustand der deutlich milder ist als der, der Manie und daher häufig von Betroffenen und Angehörigen mit normaler Freude verwechselt wird.                                                                                                                                                 

6. Gemischte Depression und Angst

Auch wenn Angst und die dazugehörigen, psychologischen und körperlichen Symptome häufig Bestandteil einer Depression sind und depressive Symptome  wiederum häufig gemeinsam mit einer Angststörung auftreten, ist es in den meisten Fällen einfach zu diagnostizieren, ob die Depression das Hauptproblem ist. Nichtsdestotrotz liegen bei einer gemischten Depression und Angst depressive und ängstliche Symptome im gleichen Maß vor.

7. Depressive psychotische Episode

Eine besondere Form der depressiven Episode ist die psychotische oder wahnhafte Depression. Eine Psychose beinhaltet das Sehen oder Hören von Dingen, die nicht anwesend sind (Halluzinationen), sowie falsche Ideen oder Überzeugungen (Wahnvorstellungen). Diese wahnhaften Ideen können sich beispielsweise in dem Glauben manifestieren, schwere Schuld auf sich geladen zu haben (Schuldwahn), dem bevorstehenden finanziellen Ruin entgegen zu steuern (Verarmungswahn) oder an einer unheilbaren schweren Krankheit erkrankt zu sein (hypochondrischer Wahn). Diese Überzeugungen werden, trotz aller Beweise für deren Nichtigkeit, aufrecht erhalten. Menschen mit einer wahnhaften Depression benötigen fast immer eine stationäre Behandlung in einer psychiatrischen Klinik. Psychotische Episoden können unipolarer und bipolarer Natur sein.                                                                                                        

8 . Atypische Depression

Diese Form der Depression ist durch eine überempfindliche und schwankende Stimmung gekennzeichnet. Übermäßiges Essen und Schlafen, sowie Panikattacken können ebenfalls auftreten. Diese Form der Depression verläuft leicht und kann bipolarer Natur sein.                     

9. Saisonale Depressive Erkrankung

Diese Form der Erkrankung ähnelt der atypischen Depression, tritt allerdings nur saisonal auf, bedingt durch klimatische Veränderungen wie besipielsweise der Übergang in den Herbst oder Winter. Normalerweise tritt mit dem Ende der saisonalen Phase eine Besserung ein und die Betroffenen gewinnen ihre volle Funktionsfähigkeit zurück.                                                  

10. Schnell wiederkehrende depressive Episode

Hierbei handelt es sich um eine leichte und seltenere Form der Depression, die sich einschränkend auf die alltägliche Funktionsfähigkeit auswirken kann und von der überwiegend junge Menschen betroffen sind. Sie ist durch kurze Phasen depressiver oder gemischter Stimmung gekennzeichnet und dauert üblicherweise nicht länger als zwei Wochen an.