Was sollte man als Polizist über Depression wissen?

Schätzungsweise eine von vier Frauen und einer von acht Männern ist mindestens einmal im Leben von einer Depression betroffen, die oft auch mit einem erhöhten Risiko für Suizid und selbstverletzendem Verhalten einhergeht. Ungefähr 80-90% der Menschen, die durch einen Suizid ums Leben kommen, litten an einer diagnostizierten psychischen Erkrankung.

Man kann sich über einen längeren Zeitraum niedergeschlagen und verzweifelt fühlen, aber eine akute suizidale Krise ist meist nur ein sehr kurzfristiger Zustand. Ebenso wie eine Depression können auch andere Faktoren, wie zum Beispiel Substanzmissbrauch oder psychotische Symptome das Suizidrisiko erhöhen. Diese Faktoren weisen auf eine erhöhte Vulnerabilität der Person hin, z.B. zugrundeliegende soziale oder biologische Ursachen. Aber auch eine Person mit einer hohen Verletzbarkeit ist nicht per se suizidal. Wie andere Menschen in akuten Notlagen, kann sie aber durch auslösende Situationen oder eine plötzliche Krise suizidal werden. Das kann zum Beispiel der Verlust des Jobs, Schulden, das Ende einer Beziehung, ein Trauma ode rein Trauerfall sein.

Polizisten haben regelmäßig Kontakt zu depressiven und suizidalen Personen. Häufig ist das  bereits in den drei Monaten vor einem eigentlichen Suizidversuch der Fall. Es gibt viele denkbare Szenarien, in denen Polizisten mit suizidalem Verhalten konfrontiert werden. Dazu gehören zum Beispiel die Unterstützung des Notarztes bei der Zwangseinweisung, suizidales Verhalten von Personen in Polizeigewahrsam, akute Suizidsituationen und die seltenen Fälle des Suizids eines Polizisten.

Polizeibeamte, die im Gesetzesvollzug tätig sind, sind oft die ersten, die mit einer psychisch kranken Person in einer Krise in Kontakt treten. Oft müssen sie daher auch entscheiden, welche weiteren Schritte nötig sind, um angemessene Hilfe zu gewährleisten. Ein Drittel aller Überweisungen in die psychiatrische Notfallversorgung erfolgt durch Polizeibeamte im Gesetzesvollzug. Obwohl der direkte Kontakt mit den Betroffenen Möglichkeiten zur Intervention bietet, erhalten nur wenige Polizeibeamte eine angemessene Aus- oder Weiterbildung, um mit solchen Situationen umzugehen.